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Wolves absolvierten Workshop zur Prävention sexueller Gewalt

  • Veröffentlicht am Mittwoch, 29. November 2017 16:12

Die Thematik sexueller Grenzverletzungen ist im Sport nach wie vor ein Tabu-Thema. Missbrauchsfälle in der Sportwelt kommen oft erst nach Jahrzehnten an die Öffentlichkeit. Durchdachte Strategien der Täter sind auch für das nähere Umfeld schwer zu erkennen.

Um Bewusstsein für die Problematik zu bilden, nahmen alle TrainerInnen der Vienna D.C. Timberwolves in den vergangenen Wochen – aufgeteilt auf zwei Termine am Workshop „Für Respekt und Sicherheit – Gegen sexualisierte Übergriffe im Sport“ teil.

Sportpsychologe Mario Schuster, der mit den Wölfen auch im Rahmen der TIMBERWOLVES BASKETBALL AKADEMIE zusammenarbeitet, ist einer von 16 ausgebildeten Referenten zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum.

Kultur des Hinsehens

"Bei sexuellen Übergriffen sprechen wir von einem Missbrauch von Macht- bzw. Autoritätsverhältnissen mit dem Mittel sexueller Gewalt. Diese Gewaltausübung kann nicht nur auf einer körperlichen, sondern auch auf einer emotionalen oder verbalen Ebene stattfinden. Die Übergriffe und Grenzverletzungen werden in einigen Fällen rasch verharmlost oder es kommt sogar zur Opfer-Täter-Umkehr“, erklärt Schuster.

Im Workshop wurden Verhaltensmuster und übliche Abläufe dargestellt.

„Leider gibt es immer wieder in einzelnen Vereinen und Sportverbänden weltweit systematisch agierende Täter, die sich bewusst Sportvereine auswählen, in denen sie potenzielle Opfer vermuten. Eine gelebte Kultur des Hinsehens - seitens des TrainerInnen-Teams - reduziert nachweislich das Risiko von Grenzverletzungen und Übergriffen“, so Schuster.

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Wo liegt die Grenze?

Die TrainerInnen diskutierten auch Szenarien, die sich im Grenzbereich bewegen.

"Bei Grenzverletzungen stellt sich immer zuerst die Frage, wo die Grenze des Opfers liegt. Diese Grenze sollte auch als Bezugspunkt gelten und respektiert werden“, vermittelt der Experte eine klare Linie.

Wohin wende ich mich?

Doch wie sollen sich Trainer, Eltern und andere Bezugspersonen verhalten, wenn ihnen ein Übergriff von einem Opfer anvertraut wird?

In erster Linie ist es wichtig, dieses Vertrauen zu stärken indem dem Opfer Glauben geschenkt und zugehört wird. Das ist der erste große Schritt, um einem Opfer aus einer Abwärtsspirale herauszuhelfen. Doch Untersuchungen zeigen, dass sich ein Opfer in schweren - oft jahrelangen - Missbrauchsfällen im Durchschnitt bis zu acht (!) Menschen anvertrauen muss, bis wirksame Maßnahmen zum Schutz des Opfers gesetzt werden“, weiß Schuster.

Die Vienna D.C. Timberwolves haben zwei Ansprechpartner zur Thematik sexueller Gewalt und Grenzverletzungen installiert: Anna Haase und Aldin Saracevic. Sie stehen SpielerInnen, Eltern und TrainerInnen als Vertrauensperson und Anlaufstelle zur Verfügung.

Die nationale Drehscheibe der neuen Initiative „Für Respekt und Sicherheit“ ist der Verein 100% Sport (http://www.100sport.at/de). Diese Organisation ist auch eine von vielen Ansprechstellen in Verdachtsfällen.

„Die Vienna D.C. Timberwolves müssen für unsere Spielerinnen und Spieler ein vertrauenswürdiger Schutz- und Kompetenzraum sein. Wir verankern Strukturen und Prozesse, die sexuellen Übergriffen entgegenwirken und wir bieten Möglichkeiten des sich Anvertrauens, Unterstützens und Hilfeholens. Darüber hinaus tragen wir Sorge, unsere TrainerInnen zu befähigen und im täglichen Training sowie den Wettkämpfen zu unterstützen“, sagt Wolfgang Horak, Präsident der Wolves.